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  • Roman Schnellbach

Wochenende - Erholung

09.05.20

Ich bin weit davon entfernt zu jammern. Ich wusste ja, was ich vorhabe und was auf mich zukommen würde. Wobei es doch noch um ein vielfaches intensiver und anstrengender ist, als ich mir ohnehin schon ausgemalt hatte.

Aber ich kann Euch mal zwei Symptome beschreiben.


Auf der einen Seite wird mir gegen Abend plötzlich richtig kalt, was ich so einfach nicht kenne. Zudem es hier nicht wirklich kalt ist. Meine Hände werden kalt, was ich sonst gar nicht kenne und es fühlt sich so an, als ob sich alle Energie in Richtung Bauch bewegt, wo gerade so viel Muskelaktivität wieder reaktiviert wird. Und als ich gestern Abend im Bett lag und meine Ruhe wollte um zu schlafen, bekam ich von Jetzt auf Gleich so heftigen Schüttelfrost. Zähneklappern und zittern. Das dauerte zwar nicht sehr lange, aber es fühlte sich doch sehr heftig an, weil ich so etwas nicht kenn. Außer man hat Fieber und Grippe. Aber das hab ich nicht. Fühle mich heute auch wieder fit. Und neben der Kälte kommt dann ganz schnell die große Hitze. Weil die Beine zu zittern beginnen, auch hier die Muskulatur, die so viel mehr beansprucht wird, Gas gibt. Und dann werden meine Beine nass, der Rücken nass und ich muss die Decke in der Nacht dreimal umdrehen und mir wieder ein Handtuch unter der Rücken legen, weil ich denke ich laufe Marathon.


Und die zweite sehr merkwürdige Situation war vorgestern Abend.

Ich konnte am Donnerstag erst am Nachmittag in den Lokomat und habe also meine robotergestütztes Laufträining erst von 15:00 bis 16:00 Uhr gemacht.

An dem Tag war auch der Muskelkater im Bauch endlich angekommen - so richtig.

Und dann lag ich abends im Bett, wollte schlafen und merke plötzlich, dass ich in Gedanken gehe. Rechter Oberschenkel hochziehen, Wade nach vorne bringen, linker Oberschenkel hoch, Wade… und so weiter. Nur merke ich, dass ich das nicht bewusst begonnen habe - ein anderes Ich in mir, oder mein Laufprogramm, hat einfach selbstständig damit begonnen. Aber eben nicht nur gedanklich sondern mit voller Kraft, soweit es eben geht. Dass dabei meine Oberschenkel noch keine wirklich sichtbaren Aktionen machen, im Gegensatz zu der Situation, wenn ich im Rollator wirklich auf den Beinen bin, will ich dazu sagen. Aber dennoch ist es nicht nur ein passives Vorstellen des Laufens. Nein, es ist mit Energie in die Vorstellung der muskulären Bewegung gehen - und das kostet wieder Kraft.

Und ich denke mir, hey, jetzt hör auf, das war genug heute. Schlafen. Kurze Zeit ist Ruhe, weil ich bewusst diese Bewegung gestoppt habe - aber keine 20 Sekunden später, laufe ich wieder los. Ich versuche es noch dreimal zu stoppen - ohne Erfolg.

Der andere Programmteil in mir sagt sich, lasst uns noch ne Runde gehe - Übung schadet nicht. Nur, dass der mich nicht fragt, ob mir das passt.

Ich habe den anderen Roman dann einfach laufen lassen und ihm einen schönen Spaziergang gewünscht und bin dennoch eingeschlafen, weiter mit dem Gefühl, dass ich laufe.


Und die Geschichte musste ich gestern immer wieder erzählen, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten und alle sagte dasselbe: wir krass, und ach Du armer, aber wie geil, was Dein Körper macht.


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