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  • Roman Schnellbach

Das Wetter und die physischen Reaktionen

Samstag 13.06.20

Gestern lief es erst mal nicht so gut. Das Wetter war die letzen Tage ziemlich kühl gewesen, keine Sonne. Und gestern hatte es dann plötzlich 27° im Schatten und heute ist es wieder grau. So einen Wechsel spüren die meisten neurologischen Patienten ziemlich deutlich. Bei mir führt das zu einer Zunahme der Spastik (erhöhte Eigenspannung der Skelettmuskulatur, die immer auf eine Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks zurückzuführen ist). Bei mir ist das tagsüber unterschiedlich stark spürbar, weil dann der Oberkörper, zum Teil ruckartig, nach vorne gezogen wird. So als ob man geschubst würde. Nur, dass die Muskulatur einen selbst schubst. Oder die Beine gehen plötzlich in die Streckung, und der Unterschenkel schießt ungebremst einfach nach vorne. Oder die Muskulatur in den Oberschenkeln fängt zu zittern an. Nachts finde ich es dann oft besonders unangenehm, da dann mein linkes Bein, mit einem Ruck, sich aus der Streckung in die Beugung hochzieht und dann angewinkelt stehen bleibt. Davon wache ich auf. Das ist wie ein innerer Fußtritt. Und in der Nacht zu Freitag, war das ziemlich häufig der Fall. Ausgeschlafen fühle ich mich dann nicht wirklich.

Die Muskelspannung ist dann auch bei vielen Übungen kontraproduktiv, da sie oft genau in die entgegengesetzte Richtung arbeitet, in die man selbst etwas tun oder trainieren will. Anstrengend. Schlicht und ergreifend. Medikamente dagegen gibt es schon. Das nehmen auch einige, weil es sonst zum Teil gar nicht auszuhalten wäre. Ich komme schon sehr lange völlig ohne Medikamente klar und bin da auch froh drüber. Aber ich werte das nicht, denn jeder muss für sich ein System finden, wie er mit den Begleiterscheinungen der neurologischen Schädigung, die bei jedem anders aussehen, gut klar kommen kann.


Im Lokomat machte sich meine Oberschenkelaktivität auch bemerkbar. Die Maschine gibt die richtige Bewegung der Beine ja vor. Mein Oberschenkel sträubte sich aber immer wieder dagegen. Gar nicht so sehr, aber die Spannung spüre ich, manchmal ein Zittern und wenn das stark genug war, dann blieb der Lokomat wieder stehen. Denn sobald der Patient zu viel Gegenwehr, gegen die Motoren leistet, stopp die Maschine sofort, denn brechen soll sich da ja niemand etwas. Also hatten Agim und Marius immer wieder zu tun, mich wieder in Gang zu setzen.


Danach hatte ich dann in der Sonne einen Cappuccino getrunken und mich mit Amina unterhalten. Und dann hieß es wieder LAUFEN. Diesmal half uns Julia zweimal. Ich kam wieder heftig ins Schwitzen. Erste Runde, danach Analyse, was ich besser machen kann. Beim Schritt mit dem linken Bein, die Hüfte nicht so weit nach unten fallen lassen, damit ich die Leichtigkeit habe, das linke Bein überhaupt ein wenig anheben zu können um den Schritt zu tun. Zweiter Versuch: viel besser. Handtuch, abtrocknen, durchatmen. Julia musste wieder zu ihrem Patienten. Und Amina fragt mich: "schaffst Du noch mal?" Klar. Martin hatte Zeit und wir starteten die nächste Runde von ca. 10 Metern. Und das ist ne Menge. Aber es ging so viel besser als gestern, weil ich nicht mehr so viel Gewicht auf den Armen hatte. Weil ich besser auf meinen Beinen stand, die Hüfte vorne blieb und ich die Schritte einfacher umsetzen konnte. Wieder eine Tüte Adrenalin.

Und jeden Tag sind es spürbar Fortschritte - auch wenn ich manchmal das gegenteilige Gefühl habe. Nein, ich komme jeden Tag weiter. Auch bei den anderen Übungen.


Und Daniele (Chefin) sagte auch, dass wir jetzt laufen, laufen, laufen müssten.

Damit ich darin so stark werde und mein Ziel erreiche.

Denn wie übe ich am besten weiter, wenn ich nachhause fahre? Nicht, indem ich mir zuhause ein Trainingsstudio einrichte und einen Physiotherapeuten anstelle. Nein, sondern, dass ich aufstehe und laufe. Also werde ich mich hier weiter extrem reinhängen.







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