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  • Roman Schnellbach

Aus der Fantasie Nr. 9 für Violine Solo von Georg Philipp Telemann

Dienstag 26.05.20


Amina, meine Physiotherapeutin hatte schon vor Wochen die Idee, dass ich meine Geige mitbringen solle, um im Stehen zu spielen. Was ich erstmal für eine utopische Idee hielt. Aber da ich jede Idee versuchen will, sagte ich nicht nein. Von meinem Besuch zuhause, hatte ich meine Violine mitgebracht. Und heute wurde es ernst mit dieser Idee. Publikum war auch gleich zugegen, wie könnte es anders sein. Die größte Herausforderung für mich war hier, dass ich mich vollkommen darauf verlassen musste, "GEHALTEN" zu werden.

Ich stehe auf einem Bein, weil die Prothese fehlt. Jule stabilisiert mein linkes Bein - darum kann ich mich schon mal nicht kümmern und muss mich einfach darauf verlassen, dass ich sicher stehe - unter dem Oberschenkel rechts, steht mal wieder der Hocker.

Und Amina ist hinter mir und hält meinen Oberkörper, wobei sie mir sagte, dass sie da gar nicht so viel halten musste. Aber für mein Gefühl, fehlt mein, sonst so verlässliches, Werkzeug: meine Arme. Denn die brauchte ich nun vollkommen dazu, Musik zu machen.


Ich schreibe hier gar nicht, wie schwer das nun war, auch noch zu versuchen, dem Stück ein wenig Seele einzuhauchen, wo ich doch permanent noch mit der erst wieder erstarkenden Muskulatur gegen das Umfallen noch vorne kämpfen musste. Da passt hier ein Ton nicht, da lässt man besser ein paar Doppelgriffe gleich weg, und der Bogen zittert, nicht wegen der Nervosität - sondern einfach, weil ich weit mehr zu tun hatte, als ich mir je hätte vorstellen können.


Dass einige mir von ihrer Gänsehaut erzählt haben, als sich mich sahen… und dem Gefühl von "so krass, dass das hier und jetzt passiert" - mach mich glücklich.

Danke

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